DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Das DA Kloster Kunsthaus Gravenhorst ruft regelmäßig das Projektstipendium „KunstKommunikation“ aus. Der Beitrag wurde für die Ausschreibung 2017 eingereicht.

VERZICHT GRAFIK

VERZICHT ist eine Installation, die sich auf die Geschichte und den Alltag des gemeinschaftlichen Ordenslebens der Zisterzienserinnen im Kloster Gravenhorst bezieht. Die Zisterzienserinnen führten als kontemplativer Orden ein einfaches, äußerlich zweckfreies Leben – Verzicht war Teil ihres Lebensentwurfs.

Die Installation sensibilisiert für das heute aktuelle Thema Verzicht und ermöglicht es den Besuchern durch Partizipation am Kunstwerk, persönlichen Verzicht zu erleben und nach außen zu tragen. Nicht nur in der Fastenzeit verzichten heute viele Menschen auf Luxus und Genuss. In einigen Teilen der Bevölkerung entwickelt sich eine Verzichtkultur, die sich in verschiedenen Lebensstilen ausdrückt: Vegetarismus, Veganismus oder sogar Minimalismus, d.h. dem Verzicht auf alles was nicht Lebensnotwendig scheint.

Häufige Motive für den Verzicht sind die Kritik an der Konsumgesellschaft, an der Massentierhaltung, unmenschlichen Produktionsbedingungen, der zunehmenden Zerstörung der Natur und die Suche nach alternativen Lebensstilen. In diesem Gegentrend zum allgemeinen Überfluss in unserer Gesellschaft konsumieren die Menschen bewusster und verzichten auf Besitz wie beispielsweise unnötige Wohnungsausstattung, auf ein eigenes Auto oder auf Flugreisen. Das Internet erleichtert durch den Zugriff auf elektronische Medien den Verzicht auf Musik-, Bücher- oder Filmsammlungen.

Die Konzentration auf das Wesentliche kann dazu führen das zu finden, was einem wirklich wichtig ist. Wenig Eigentum macht flexibel und unabhängiger von gesellschaftlichen Zwängen. Familie und Freizeit werden für viele Menschen wichtiger als Karriere und Geld. In einer zunehmend schnellen Gesellschaft scheint das einfache Leben zum neuen Ideal geworden zu sein, das für ein sinnvolles Ordensleben der Zisterzienserinnen immer schon Voraussetzung war. Die Installation VERZICHT besteht aus acht menschengroßen, hohlen Buchstaben aus transparentem Acrylglas die das Wort VERZICHT bilden und jeweils über eine Einwurföffnung verfügen. Die Besucher werden auf einem Hinweisschild dazu aufgefordert persönliche Gegenstände, auf die sie bewusst verzichten möchten, einzuwerfen. Das können Kleidungsstücke, Schmuck, Zigaretten etc. sein, aber auch Dinge mit symbolischem Charakter wie eine Münze, das Etikett eines Kleidungsstücks, ein Katalog oder ein Taschentuch. Zudem besteht die Möglichkeit den Verzicht stellvertretend auf Karten zu schreiben und einzuwerfen. Alle Gegenstände werden Teil der Installation und verbleiben dort. Die Gegenstände füllen nach und nach die transparenten Volumen mit Inhalt und geben den durchlässigen Körpern dadurch zunehmende Plastizität. Die Objekte und Karten können, sofern sie nicht von anderen Gegenständen verdeckt werden, durch die transparente Hülle von allen Besuchern gesehen werden. So entsteht über die Zeit eine Sammlung an Dingen, auf die Menschen gerne verzichten möchten.­ Die Installation schlägt somit eine interaktive symbolische Brücke aus dem jetzt zum einstigen Ordensleben im Kloster.