Halb leer? Halb voll?

Ein Beitrag zum Open Call des LAF e.V.i.G. Wahrnehmung städtischer Räume.

Visualisierung LAF

Die Stadt braucht optimistische, mutige Akteure, die mit Ihren Ideen und ihrem Engagement eine positive Entwicklung anstoßen und vorantreiben. Die temporäre Installation HALB LEER? HALB VOLL? soll den Stadtbewohnern die Chancen für die Stadt vor Augen zu führen. Die Fragen stellen somit eine Aufforderung an die Besucher dar, sich mit dem Leerstand und den Möglichkeiten des Raumes auseinanderzusetzen und möglicherweise selbst Ideen und ein eigenes Engagement für Stadträume zu entwickeln.

Das Ladengeschäft in Pforzheim wird horizontal in der Mitte durch eine Kunststoffplane geteilt. Dabei stellt die Kunststoffplane eine Grenze dar, über der „nichts“ existieren darf. Der obere Teil des Raumes bleibt leer und symbolisiert so den Leerstand. Er ist ein „verlorener“, ein nicht erschlossener Raum – eine vertane Chance.

Der untere Teil des Raumes wird durch einen farbigen Anstrich, Möblierung und Ausstattung mit Sitz-, Lese- und Spielbereichen wohnlich und lebendig gestaltet. Er stellt den Aktionsraum, den „bespielbaren“ Raum dar, der die Chancen und Möglichkeiten für eine lebendige Stadt aufzeigt. Nach Betreten des Raumes können sich die Besucher nur in gebeugter Position durch den Raum bewegen und die Angebote im Raum nutzen. Der Leerstand des oberen Raumes und seine Auswirkungen auf den Stadtraum sind für den Besucher die ganze Zeit präsent.

Die horizontale Unterteilung stellt eine scharfe Grenze dar, die von der Möblierung nicht überschritten wird. Für diesen Effekt wird die Möblierung auf diese Höhe gestutzt, Bücherregale und Bücher beispielsweise ab der Grenze präzise weggesägt und abgeschnitten. Durch das Schaufenster wird die Zweiteilung des Raumes sichtbar. Über der gezogenen Mittelhorizontalen steht auf dem Schaufenster geschrieben: HALB VOLL? darunter HALB LEER?

Mit der Aktion werden die Chancen und Probleme des Leerstands verdeutlicht und aufgezeigt. Kunst kann Räume zwar beleben, aber die Nutzer müssen selbst Anstrengungen aufbringen, um den Missstand zu beheben. Die Chance der lebendigen Nutzung des unteren Teils des Ladenlokals wird zum Signal für den oberen Teil des Raumes. HALB VOLL bedeutet: Hier passiert etwas. Die Kunst hat sich dem Raum angenommen und entfaltet seine positive Wirkung auf den Raum, die Nachbarschaft, das Quartier. Leerstand wird als Chance gesehen- Leerstandsräume sind Möglichkeitenräume. Leerstand ist Freiraum. HALB LEER heißt hingegen: Die Entwicklung nimmt ein schlechtes Ende, der Leerstand gewinnt überhand, die Stadt verödet. Dafür steht der obere Teil der Installation- ein lieblos zurückgelassenes Stück Stadt, ein Raum ohne Zuwendung, ohne Lebendigkeit.