Nachbarschaft und Wohnzufriedenheit

Umfrage_Nachbarschaft

Wie wirkt sich der nachbarschaftliche Kontakt auf unsere Wohnzufriedenheit aus? Und wie steht es mit den Mitbewohnern? Ab welcher Grösse kippt die Zufriedenheit in einer Wohngemeinschaft?

An der Umfrage nahmen 299 Personen teil, davon 171 Frauen und 128 Männer. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren im Durchschnitt 29 Jahre alt (29,74). 91,6 % der Befragten leben in einer Grossstadt mit mehr 100.000 Einwohnern. Im Schnitt leben die Teilnehmer seit vier Jahren in ihrer derzeitigen Wohnung. Insgesamt wird deutlich, dass es sich um eine studentische, grossstädtische Stichprobe handelt, die nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung ist.

Der Fragebogen erfragte den Kontakt zu den Nachbarn und die allgemeine Wohnzufriedenheit. Diese beiden Konstrukte wurden mit mehreren Aussagen erhoben, die mit Zustimmungs- und Ablehnungsskalen von 1 bis 7 beschriftet waren. Wohnzufriedenheit wurde mit Aussagen wie z.B. „Ich fühle mich zu Hause einfach wohl“ oder „Ich komme gerne nach Hause“ erhoben. Der Kontakt zu den Nachbarn wurde mit Aussagen wie z.B. „Ich kenne meine Nachbarn gut“ und „Ich treffe mich mit meinen Nachbarn auch privat“ gemessen. Die Zustimmung zu allen Aussagen zu einem der beiden Konstrukte wurde jeweils gemittelt. So ergab sich für jeden Umfrageteilnehmer für die Wohnzufriedenheit und den nachbarschaftlichen Kontakt je ein Wert zwischen 1 und 7. Die Befragten berichteten im Durchschnitt eine sehr hohe Wohnzufriedenheit (6.0). Der Kontakt zu den Nachbarn war mit einem Durchschnittswert von 3.16 eher gering ausgeprägt: Die Befragten haben nicht besonders starken Kontakt zu ihren Nachbarn. Trotzdem wiesen der Kontakt zu den Nachbarn und die Wohnzufriedenheit einen signifikant positiven, wenn auch schwachen Zusammenhanf auf: Befragte mit mehr Kontakt zu ihren Nachbarn berichteten auch mehr Wohnzufriedenheit (ß = 0.25, p < 0.001). Zusammenfassend lässt sich folgendes feststellen: Die Teilnehmer an dieser Befragung sind mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden. Kontakt zu den Nachbarn besteht eher wenig, aber dieser sporadische Kontakt ist wichtig für die Wohnzufriedenheit. Denn fällt er zu gering aus, sinkt die Wohnzufriedenheit.

Gemeinschaftliches Wohnen in Wohnheimen führte bei den Teilnehmern der Studie zur geringsten Wohnzufriedenheit. Gemeinsam betrachtet deuten diese beiden Ergebnisse darauf hin, dass sich die Wohnzufriedenheit in einem Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Privatsphäre bewegt. Eine zu starke erzwungene Gemeinschaft im eigenen Haushalt belastet die Wohnzufriedenheit. Ein lockerer Kontakt zu den Nachbarn leistet jedoch einen signifikanten Beitrag zur Wohnzufriedenheit.