Städtebaulicher Ideenwettbewerb St.Georgen

St Georgen 500

Mit dem städtebauliche Ideenwettbewerb rief die Stadt St. Georgen im Schwarzwald Architekten dazu auf, einen Leitplan zur Neugestaltung und Sanierung der Stadtmitte zu entwickeln. Unser Beitrag schafft es in den zweiten Wertungsrundgang.

Das Zentrum von St. Georgen zeichnet sich durch eine heterogene Bebauungsstruktur aus. Durch die große Flächensanierung in den 1970er Jahren sind einige großmaßstäbliche Gebäude entstanden, welche im Geist der Moderne und dem damit verbundenen Fortschrittsglauben errichtet worden sind. Die polygonalen Grundrisse der Gebäudevolumen geben dem Stadtzentrum zwar eine prägnante Identität, das Erscheinungsbild leidet heute jedoch unter starken Instandhaltungsdefiziten. Der Entwurf greift die vorhandenen Qualitäten auf und überführt diese in ein zeitgenössisches, vernakulär geprägtes Gesamtensemble.

Für die Entwicklung einer Corporate Architecture werden Bilder und Materialien der heimischen Schwarzwaldarchitektur herangezogen. Neben den prägnanten tiefgezogenen Dächern gehören Holzschindeln traditionell zur Architektur des Schwarzwaldes. Der Entwurf nutzt diesen Baustoff zur Vermittlung der Gebäude untereinander und zur Ausbildung einer einheitlichen und prägnanten Identität. Durch die Verkleidung sämtlicher Zentrumsgebäude mit Schindeln werden die Gebäude in einen Kontext gebracht und können als Ensemble wahrgenommen werden. Dennoch erhält jedes Gebäude durch die unterschiedliche Farb- und Formgebung, Größe und Materialität seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter.

Für die Ergänzungsbauten wird eine Architektursprache entwickelt, die sich mit dem Bestand auf harmonische und funktionale Weise verbindet und sich gleichzeitig selbstbewusst davon abhebt. Die polygonalen Formen der Bestandsarchitektur liefern dafür die Ausgangslage: Sie werden in eine neue zeitgemäße organische Architektur übersetzt. Dabei werden die bestehenden Gebäude als Organismen verstanden, welche in einer neuen organischen Architektur eine logische Weiterentwicklung erfahren. Dem Rathaus kommt als öffentliches Verwaltungsgebäude eine besondere Bedeutung zu. Es soll für Bürgernähe, Transparenz und einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt stehen. Erreicht wird dies durch die Verlegung des Eingangs in den Süden und  die Einrichtung neuer öffentlicher Treffpunkte, wie dem Bürgercafé, einer großzügigen Terrasse und dem offenen Frontofficebereich. Die geschwungene, gläserne Architektur signalisiert Offenheit und Transparenz. Die Durchlässigkeit des Ergänzungsbaus wird durch offene Zugänge ins Rathausgebäude und auf die Terrasse verstärkt.

Durch die Verlegung der Tiefgarageneinfahrt in den Osten wird die Zentrumszone erweitert und das Heinemannareal an das Zentrum angebunden. Der Zentrumsmittelpunkt verlagert sich in Richtung Süden. Diese Maßnahme wird durch die Installation einer 35 m hohen Skulptur, der Stadtspitze ,unterstützt, welche in ihrer Analogie des Kirchturmes auf die Gründung der Stadt St. Georgen durch das gleichnamige Kloster verweist. Die Skulptur schafft einen visuellen Bezugspunkt innerhalb der Stadt, bindet sie zusammen und verleiht dem Zentrum eine unverwechselbare Identität.